Interview mit Sophia Hoffmann

Hallo liebe Leser,

Kennt ihr alle Sophia Hoffmann? Vom Beruf her ist die Münchnerin vegane Köchin, Autorin, Food Consultant und Gastro- Moderatorin. Nachdem sie nach Wien gezogen ist, wurde 2008 Berlin ihr Zuhause.

Ihr beiden veganen Kochbücher “Sophias Vegane Welt“ und “Vegan Queens“ erschienen 2014 und 2016. Sie ist auf You Tube, Instagram, Pinterest, Twitter, Facebook und auf ihrem Blog aktiv. Ihr Engagement gilt außerdem dem Nachhaltigem, bewussten Alltag, sowie der Gleichberechtigung und der soziale Gerechtigkeit. Sie liebt Neues auszuprobieren und Farben und Kreation ins Essen zu bringen. Die Regel “Du sollst nicht mit dem Essen spielen“ hält Sophia nicht auf. Stattdessen findet sie, dass wir genau das tun sollten. Neue Rezepte erforschen und ausprobieren. Wenn was daneben geht, ist das auch nicht weiter schlimm. Das passiert ab und zu mal. Einfach weiterprobieren.

Und für alle, die sich eine Scheibe Kreativität abschneiden wollen, Sophia bietet auch Kochkurse und Themen- Dinner Abende an.

Wir persönlich haben uns aus der Bibliothek mal das vegane Kochbuch “Vegan Queens“ ausgeliehen, aber da wir es irgendwann zurückgeben mussten, fanden wir bald ihren YouTube Kanal, auf Instagram und ihren Blog. Auf dem Sommerfest haben wir sie getroffen nach einem Bühnenauftritt von ihr, wo sie gekocht und über das Verwerten von Essen und Packungen geredet hat. Danach haben wir sie auch um ein Foto gebeten, das wirklich klasse aussieht😁

Seid ihr interessiert am Interview? Dann scrollt weiter⏬

  1. Was war dein endgültige Beweggrund Veganerin zu werden?Ich habe das nicht über Nacht entschieden, es war ein langsamer Übergang vom wenig Fleisch essen, zur vegetarischer Ernährung hinzu einer pflanzlichen Lebensweise. 2010 habe ich einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung gelesen, der für mich das erste Mal den Zusammenhang zwischen Tierhaltung und Klimawandel erklärte, das war ein großes Aha-Erlebnis. Und dann gab es da diesen Satz im Buch „Tiere Essen“ von Jonathan Safran Foer „nur ein krankes Tier ist ein kontrollierbares Tier“ , der sich auf den Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung bezieht, das fand ich so zutiefst unethisch, dass ich für mich die Konsequenz zog.

2. Was ist dein Lieblings Nahrungsmittel?

  1. Boah, das ist schwer einzugrenzen. Ich bin verliebt in frisches Gemüse und finde es toll auf dem Markt einzukaufen, zu schnuppern und Lebensmittel in die Hand zu nehmen. Ich mag auch ganz „gewöhnliche“ Lebensmittel, die man immer neu verarbeiten kann wie Kartoffeln und Möhren, aber Rote Bete und Rotkohl sind natürlich auch toll, da sie so BUNT sind. Und ich bin verrückt nach Gewürzen und Salzsorten…


    3. Welches Rezept kochst du besonders gerne?

    Beruflich koche ich gerne etwas aufwendigere Dinge wie selbst gemachte gefüllte Pasta oder ich backe bunte Brote, aber wenn es privat am Abend mal schnell gehen soll, liebe ich es auch Gemüse einfach in den Ofen zu schmeißen mit ein paar Kräutern, Knoblauch und Olivenöl und dann mit frischem Salat zu genießen.


    4. Wenn du die Wahl zwischen Ihrem Lieblingsessen und etwas ganz neuem, sehr ausgefallenem Essen hättest, welches würdest du wählen?

    Natürlich das Neue, ich bin kulinarisch sehr neugierig und will immer noch was dazu lernen!


    5. Isst du ab und zu noch Ersatzprodukte wie veganen Käse oder Vleisch?

    Sehr selten und es kommt sehr drauf an wie stark die Produkte verarbeitet sind bzw. wie viel Zusatzstoffe sie enthalten. Tofu ist für mich kein Ersatzprodukt sondern ein tolles Grundnahrungsmittel wenn es gut produziert ist. Ich ärgere mich darüber, dass es hierzulande so ein schlechtes Image hat, obwohl es in Asien eine uralte Tradition hat.

    Bei Produkten wie veganem Käse und Joghurt unterscheide ich stark zwischen sogenanntem „Plastikkäse“, der vor allem aus Aromen und Pflanzenfett besteht und etwa gereiftem Käse auf Cashewbasis. Oder Sojajoghurt mit Unmengen Zucker und Aromen vs. Natürlich fermentiertem Kokosjoghurt ohne Zusätze. Ich lese ganz genau die Liste mit den Inhaltsstoffen…


    6. Kochst du viel mit deiner Lieblibgsfarbe?

    Ich habe ganz viele Lieblingsfarben, deshalb – JA – ich liebe es bunt zu kochen, rot, grün,gelb, orange, lila, schwarz, selbst türkis hab ich schon mal hinbekommen – es kann nicht bunt genug sein. Dazu gibt es sogar eine eigene Kategorie auf meinem Blog!

    Und – kennt ihr mein lila Brot?


    7. Hättest du dir als Kind je vorstellen können, Veganerin zu werden?

    Als Kind wusste ich noch gar nicht was das ist, aber ja, denke schon. Ich hatte schon immer eine wahnsinnige Empathie für alle Tiere. Ich habe Insekten aus dem Swimming Pool gerettet statt zu plantschen und unzählige Freundschaften mit Straßenkatzen in Südeuropa geschlossen, auch durfte ich mal ein Babyschwein auf den Arm nehmen, ein Erlebnis an das ich mich bis heute erinnere…


    8. Achtest du besonders auf Palmöl?

    Ja, ich versuche möglichst keine Produkte mit Palmöl zu verwenden. Ich achte auch auf die Ökobilanz von Produkten und kaufe möglichst saisonal und regional. Fair Trade ist auch sehr wichtig, nicht nur Tiere leiden in der konventionellen Lebensmittelindustrie, sondern auch Menschen. Bio kaufen sichert zumindest ein Mindestmaß an Fairness und Umweltschutz.


    9. Wie würde deine Traumpartei sein?

    Das sprecht wohl den Rahmen dieses Interviews, aber vor allem sozial agierend und nachhaltig. Die soziale Gerechtigkeit ist auf der ganzen Welt schrecklich in der Schieflage und die Ursache vieler Konflikte weltweit. Egal ob es um die Ausbeutung der Menschen in Entwicklungsländern geht oder die Steuerbegünstigung großer Unternehmen, leider regiert Geld viel zu sehr die Welt.


    10. Wie siehst du den Klimawandel?

    Vor kurzem hatte ich das große Glück Friedensnobelpreisträger und Klimaschutzaktivisten Al Gore in Berlin bei der Premiere seiner zweiten Doku zum Thema live erleben zu dürfen. Trotz aller schlimmen Entwicklungen strahlt er unglaublichen Optimismus aus von dem wir uns alle eine Scheibe abschneiden sollten, aber – es gibt noch wahnsinnig viel zu tun. Doch jeder Schritt hilft. Jede nicht angetretene Fernreise, jedes nicht gegessene Steak, jedes recycelte Konsumprodukt…


    11. Gibt es ein Tier, dass du besonders magst und ein Tier, dass du besonders abstoßend findest?

    Ich liebe Hunde und Katzen in beiderlei Maß. Auch Schweine finde ich bezaubernd. Lebensmittelmotten und Blattläuse sind jetzt nicht so meine engsten Freunde.


    12. Was hilft dir bei schlechten Tagen?

    Mich darauf besinnen was es alles Tolles gibt auf dieser Welt: Liebe, Freundschaft, Lachen, Blumen und die Spatzen die vor meinem Fenster pfeifen. Ausserdem Schwitzen beim Yoga und Meditation. Habe ich früher nur immer von anderen gehört, aber seit ich es selber mache, weiß ich dass es hilft sich glücklicher und ausgeglichener zu fühlen.


    13. In Teilen Asiens wird teilweise auch Hund und Katze gegessen. Findest du sowas besonders abstoßend und schlimmer als wenn es Schwein wäre oder denkst du, dass das genauso schlimm wie das Töten eines Schweines ist?

    Nö, das finde ich komplett gleichwertig, es ist nur unsere soziale Prägung, dass wir für manche Tiere mehr und für manche weniger Empathie empfinden. Ich habe dazu mal die tolle Aktivistin Dr.Melanie Joy interviewt, die hat genau dazu ein Buch geschrieben.


    14. Was ist deine Meinung zu der Tierschutzorganisation PETA?

    Peta hat unglaublich wichtige Arbeit geleistet und ist die wohl bekannteste Tierschutzorganisation. Ich muss nicht mit jeder einzelnen Aktion von Peta konform sein, finde deren Arbeit aber super wichtig und habe schon mehrere Videos mit ihnen gedreht:

    https://www.youtube.com/watch?v=fGKaxkMRDo0

    https://www.youtube.com/watch?v=uyEE2fpqK1o

    https://www.youtube.com/watch?v=guvlKLvb1SY

    https://www.youtube.com/watch?v=cZeRUkIjhwI


    Hast du ein Vorbild?

    Auch da kann ich mich kaum auf eine Antwort beschränken. Ich finde Menschen toll, die sich konsequent für eine Sache engagieren, für etwas brennen. Und natürlich gibt es auch in der Kulinarik ganz viele tolle Vorbilder. Etwa die New Yorker Köchin Gabrielle Hamilton – sie ist zwar nicht vegan, hat aber eine sehr nachhaltige Küchenphilosophie und verwertet in ihrem Restaurant „Prune“ wirklich konsequent alles und macht das extrem entspannt. Eine beeindruckende Frau!


    15. Denkst du, dass der Veganismus die Welt verändern kann?

    Ich denke, dass die Reduktion von tierischen Produkten und der dazugehörige Industrie eine Menge bewirken kann, aber Veganismus alleine reicht nicht. Wir müssen Nachhaltigkeit und bewussten Konsum mitdenken. Weniger Müll, fairere Handels- und Wirtschaftsbedingungen für die Menschen in Entwicklungsländern,unter dem Strich weniger Konsum.

    Plunder macht nicht glücklich sondern nur mehr Müll, ob vegan oder nicht.


    16. Wie würdest du reagieren, wenn dir Ärzte den Veganen Lifestyle abraten würden?

    Ich würde den Arzt wechseln!

    Ich habe einen sehr vernünftigen Hausarzt bei dem ich ab und zu meine Blutwerte testen lasse und es ist immer alles fein. Er sagt dann zu mir: „Frau Hoffmann, das können wir gerne machen, aber ich denke nicht, dass das notwendig ist, sie kommen so selten zu mir, sie sind einfach gesund.“



Interessant? Wenn ja machen wir mehr Interviews. Es stehen auch noch ein paar in Planung, wo wir aber noch keine Antwort bekommen haben. Aber wir arbeiten dran💪

Eure Tofuzwillinge

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